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Abschied vom Alkohol!
Lieber Freund Alkohol!
Heute bin ich endlich soweit, dass ich Dir einen Abschiedsbrief schreiben kann. Jahrelang warst Du mein treuer
Begleiter. Du hast mich getröstet in allen Lebenslagen. Das tat gut! Nie hast Du unangenehme Fragen an mich gestellt, wie dies unter Menschen nun einmal üblich ist. Warst Du bei mir, war ich eigentlich immer gut
aufgelegt und meine Welt war in Ordnung. Ganz langsam hast Du es geschafft, mir meinen eigenen Willen zu nehmen, ohne dass ich es bemerkte.
Menschen, die mich liebten, habe ich verachtet, manchmal sogar gehasst. Meine Gesundheit war Dir egal. Eines
Tages begann ich, Dich zu hassen, ganz bewusst. Liebe und Hass liegen nun einmal nah beieinander. Während dieser Zeit gab es Tage oder auch nur Stunden, wo ich von meinen Gefühlen hin- und hergerissen wurde. Das war
grausam, ja sogar schrecklich. Gedanken erwachten in mir, wie lange kann ein Mensch diesen Druck aushalten?
Plötzlich war eine große Angst in mir, wie schaffe ich das ganz alleine?
Kann ich wieder der Mann werden, der ich einmal war? Selbstbewusst, mit klaren Gedanken, aufgeschlossen meinem
Umfeld gegenüber, ohne schlechtes Gewissen einschlafen können? Niemand gab mir eine Antwort darauf! Als Du mich mein „lieber Freund“ fast auf den Nullpunkt gebracht hattest, wurde mir klar, dass ich ohne
fremde Hilfe keine Chance mehr hatte, mich von Dir zu trennen. Diese Hilfe wurde mir angeboten und ich bereue es nicht, dass ich sie angenommen habe. Eine Therapie, durchgeführt von geschulten und was Sucht
anbetrifft, erfahrenen Menschen, hat mir die Augen geöffnet, dass ein Leben ohne Suchtmittel viel schöner, zufriedener oder ganz einfach gesagt „lebenswerter“ ist.
Zum Schluss mein lieber Freund will ich Dir noch sagen, Du brauchst Deine Krallen nicht noch einmal nach mir
ausstrecken. Du hast verspielt! Ich bin Sieger und Du Verlierer!
Falls Du es noch einmal bei mir versuchen willst, und das wirst Du bestimmt tun, vergeudest Du Deine kostbare
Zeit.
Dir wünsche ich nun Misserfolge bei der Suche nach den nächsten Opfern.
Von Uwe Mitglied im Freundeskreis Westallgäu im Mai 2005
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