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Familie und Sucht (Reflektionen über ein Fachseminar) 3. Fachtagung des LV der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Bayern 03.06. bis 05.06.2005 in Memhölz: Haus der Familie
Das dritte Fachseminar für Freundeskreisleiter hatte das Thema „Familie und Sucht“. Es fand in diesem
Jahr 2005 in dem „Haus der Familie / Schönstatt auf’m Berg in Memhölz“ statt. Dieses Jahr war als Gastreferent Dr. Josef Heine, der Leiter der Fachklinik Schönau mit von der Partie. Dr. Heine hielt ein
sogenanntes Interview mit Diskussion.
Er beantwortete im wesentlichen Fragen nach 1.) Verhältnis der Partner Abhängiger – Angehöriger und
2.) das Verhältnis der Kinder in Suchtfamilien.
Zunächst stellte er zwei Thesen auf: - Die Sucht ist eine progressive Krankheit! Also eine fortschreitende, sich entwickelnde Krankheit.
- Die Sucht betrifft zunehmend die ganze Familie! Sucht ist also eine Familienkrankheit.
1. Verhältnis Abhängiger – Angehöriger
Die Folgen der Sucht für den Abhängigen: Heimlichkeit, Lüge, Realitätsflucht, Isolation, Rückzug,
Lust-/Kraftlosigkeit, Abhängigkeit, nur funktionieren, Suche wird zur Sucht.
Die Folgen der Sucht für den Angehörigen: Zerstörung, Kummer, Leid, Verzweifelung, Vertrauensverlust, Angst.
Die Dauer des Aushaltens der Angehörigen hängt von der Intensität der Suchtfolgen ab. Angehörige halten es so
lange aus, weil es sich um eine schleichende, progressive Krankheit handelt, die in den Auswirkungen ansteigend ist.
Der Mechanismus der Suchtkrankheit kann als eine Konflikttheorie beschrieben werden. Auf jede Beziehung (auch
in den Beziehungen der „Normalen“) treffen von innen und von außen Konflikt auf. Diese sorgen für eine negative Stimmung. Suchtkranke können diese Konflikt und negative Stimmungen nicht aushalten. Dies ist
eine Grundannahme für die Entstehung von Sucht. Der oder die betreffend beginnt zu trinken. Dieses Verhalten eines Partners führt zur Lähmung der Beziehung und dadurch zu einer Verstärkung der negativen Stimmung.
Hier ist es nun von entscheidender Bedeutung zu einer Konfliktverarbeitung zu kommen. Den Kreislauf von Alkohol
– Lähmung – Verstärkung und negativer Stimmung zu durchbrechen.
Deshalb ist ein sehr wichtiger Lernprozess eines jeden Erwachsenen:
Wie kann ich negative Stimmungen aushalten?
Ein weiteres wichtiges Thema in Suchtfamilien sind Schuldgefühle. Ist erst einmal der Abhängige trocken gelegt,
hat er eine Therapie absolviert, dann ist schon eine Menge gewonnen. Nun treten aber beim Abhängigen oftmals Schuldgefühle auf. Viel Leid sind durch seine/ihre Handlungen über die Familie gekommen. Besteht durch
diese Schuldgefühle eine Rückfallgefahr? Müssen sie deshalb verdrängt werden? Nein! Besser ist es die Schuldgefühle aufzuarbeiten. Fehler müssen erkannt werden, um sie in Zukunft zu vermeiden.
In diesen Zusammenhang gehören auch die Begriff über Verzeihung und Vergebung. Dies ist ein Prozess.
Manchmal ein sehr schwieriger und langwieriger Prozess, der gegebenenfalls immer wieder einmal neu aufgearbeitet bzw. gewährt werden muss.
Schuldgefühle sind bei näherem Hinsehen im Prinzip auch nur von sich selbst zu bearbeiten, und wie schwere
Stein Millimeterweise voran zu bewegen. Wir können uns immer bei Verzeihungsprozessen fragen ob der andere es auch wirklich ernst meint.
2. Verhältnis Suchtfamilie - Kinder
Kinder können in Familien (und somit auch in Suchtfamilien) nach Wegschneider-Cruse folgende Positionen
einnehmen.
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Held(in)
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Sündenbock
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Verlorenes Kind
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Clown
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Versorgt die Familie mit Selbstwert (positiv)
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Versorgt die Familie mit Selbstwert (negativ)
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verschafft der Familie Erleichterung, Freude
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erhält positive Aufmerksamkeit (Anerkennung)
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erhält negative Aufmerksamkeit (Ablehnung)
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Erhält keine Aufmerksamkeit
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erhält Aufmerksamkeit, wenn es die Familie amüsiert
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ist leistungsbewusst, lieb
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Ist faul, trotzig, aggressiv
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Ist einsam, depressiv, resigniert
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Ist witzig, fröhlich (Strahlemann -frau)
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wird von der Familie gefördert, unterstützt
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wird von der Familie abgewertet, bekämpft
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wird von der Familie übersehen, vernachlässigt
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wird von der Familie gebraucht
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Kinder in Suchtfamilien sind in jedem Fall immer Opfer. Der Begriff der Co-Abhängigkeit kann bei ihnen
nicht angewendet werden. Im äußersten Fall kann von „Pseudo- – Co-Abhängigkeit“ gesprochen werden, weil die Kinder keine Handlungsalternativen haben.
Wie immer bei diesen Fachtagungen wurden die teilweise neuen Begriffe dann in den Kleingruppen
weiter erörtert und bearbeitet.
Wolfgang Paulmann Freundeskreisleiter Ellhofen, 04.08.05
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