|
Fernweh
Wie jedes Jahr geschieht es. Von überall her kommen in Scharen die Vögel und sammeln sich auf Stromleitungen und Bäumen, mit lautem Gezwitscher. Da
beginnt auch in mir wieder wie eine Zeituhr ein Gefühl anzufangen zu ticken.
Es ist der immer wiederkehrende Schmerz des Fernwehs.
Unbeschreiblich zu erklären, wie jede Faser meines Inneren da einbezogen wird. Mit ungeheurer Macht wird mein Gehirn in Bahnen gelenkt, wo ich nur schwer
dagegen ankämpfen kann.
In meinen Jugendjahren war der Druck noch wesentlich stärker und ich musste wie die Zugvögel hinaus. Doch durch die autoritäre Art meines Vaters war ich mehr
oder weniger gezwungen die Freiflüge zu unterlassen.
Dann lenkte ich mich mit verschiedenen Arten von Hobbys ab, aber die Sehnsucht ließ sich auf die Dauer nicht unterdrücken. Vielleicht ist auch diese Sucht nach
der Ferne ein Faktor mit gewesen, dass ich Alkoholiker wurde. Es ist eine Vermutung von mir, aber es ist schwer in die eigene Seele zu schauen.
Jetzt im Winter, wo bei uns die Tage kürzer und die Nächte länger sind ist das Fernweh wieder schnell bei Fuß.
Ich kann mitfühlen mit einem der permanent Heimweh hat, nur wenn er ein paar Tage von daheim fort ist. Jede Abwechslung und Kurzreise ist für mich wie ein
Balsam auf meine Seele, die in dieser Zeit sich wie ein Reibeisen anfühlt. Ich sehne den Tag schon jetzt wieder herbei, wenn ich den ersten Star hier bei uns in der Gegend erblicke. Bis dahin muss ich mit dem
Finger auf der Landkarte verreisen, was das Fernweh nicht vertreibt.
Das Fernweh wird mein ständiger Begleiter bleiben.
Uwe Mitglied im Freundeskreis Westallgäu im Dezember 2006
Zurück
|