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Nass oder Trocken ?

Thema am 04.07.2003 in der Freitagsgruppe:

Nass oder Trocken –
Die Ansichten eines Sportfans.


Seit dem 20.11.1989 hat mein zweites Leben begonnen. Mit Hilfe einer Selbsthilfe-Gruppe dem Freundeskreis Westallgäu und einer Therapie habe ich es geschafft zufrieden trocken zu bleiben.

Angefangen hat alles 1949, da war ich gerade 11 Jahre alt. Nach den Nachkriegswirren war es schwer an Lebensmittel zu kommen, so nahm mich ein Nachbar, er war ca. 35 Jahre alt, auf den Schwarzmarkt mit. Als Dank, weil ich ihm geholfen hatte, durfte ich mit ihm nach Stuttgart zum Fußballendspiel zwischen Mannheim und Borussia Dortmund fahren. Die Fahrt alleine war ein Erlebnis für mich. In einem alten Holzkohlenbus war die Reise so richtig romantisch. Das Spiel weniger, es ging mit 2:3 verloren. Nach dem Spiel ging es gleich in die nächste Kneipe, wo ich das erste Mal Bier getrunken habe.

Das ist mir nicht so gut bekommen. Von der Rückfahrt habe ich nicht viel gesehen, ich war kurz gesagt das erste Mal besoffen. Diese Erlebnis hat, was mir erst heute bewusst ist, mein Leben nicht im positiven Sinne geprägt.

Hier lernte ich nämlich Ältere kenne, mit denen ich regelmäßig zu den Spielen von Borussia fuhr. Da ich noch zu jung war, konnte ich natürlich nach den Spielen nicht mit in die Kneipe. Das änderte sich 1956, wo Borussia in Berlin das erste Mal Deutscher Meister wurde, und 1957 in Hannover.

In Berlin bin ich in den verkehrten Bus gestiegen und in Osnabrück gelandet. Aus Hannover war es ein bisschen schwieriger heim zu kommen, das ich bei den grünen Männekess übernachten durfte, zwecks Ausnüchterung. Weil ich auch noch den wachhabenden Polizisten beleidigte, er solle sich als Portier nicht so anstellen und mir endlich die Zimmerschlüssel geben, kam auch noch eine saftige Geldstrafe hinzu. Werner, sagte ich mir, das muss sich ändern!

Da lernte ich Moses kennen, einen Sportfan aus Essen. Er fuhr außer zu den Borussia Dortmund - Spielen fast zu jedem Länderspiel der Nationalmannschaft. So durfte ich mit ihm 1960, er war ca. 65 Jahre alt, zum Länder spiel gegen die Schweiz nach Bern ins ehrwürdige Wankdorf-Stadion fahren. Da er Rahn und andere Nationalspieler, sowie den Trainer Herberger gut kannte, durfte ich im Mannschaftsbus ins Station fahren, und saß während des Spieles neben der Nationalelf auf der Bank. Habe heute noch Fotos von dem Ereignis.

Weil Moses keinen Alkohol trank, war dieses Ereignis für mich sehr positiv. Ich habe alles nüchtern erlebt.

Ich habe diese Erlebnisse etwas ausführlicher erzählt, weil sie doch wesentlichen Einfluss auf mein weiteres Leben hatten. Habe Dank Moses nüchtern einpaar wunderbare Jahre aus sportinteressierter Sicht gesehen – erlebt. Lernte unter anderen Fritz und Ottmar Walter kennen, und alle Borussia Dortmund Spieler sowieso. Nach Moses Tod war ich schnell wieder dem Alkoholismus verfallen.

So ist noch in negativer Erinnerung das Europapokal – Endspiel in Glasgow, wo ich eine Woche brauchte ehe ich wieder zu Hause war. Und die Weltmeisterschaft 1974. Von den 10 Spielen, die ich besuchte, war keines dabei wo ich nüchtern war. Als ich 1976 beim Aufstiegsspiel zur 1. Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Nürnberg im Stadion beinahe von der Brüstung gefallen wäre, blieben mir nur durch das beherzte Eingreifen eines Kollegen größere gesundheitliche Schäden erspart. Da sah ich endlich ein, dass ich mit dem Saufen aufhören musste.

Das war 1976. Ich machte eine Entgiftung im Krankenhaus in Iserlohn. Leider wussten die Ärzte nichts von Selbsthilfegruppen. Von meinem Hausarzt bekam ich zwar medizinische Betreuung, das reichte aber bei mir nicht.

In dieser Zeit hatte ich aber zwei schöne Erlebnisse. Die Eishockey – Weltmeisterschaft 1979 in Moskau und das englische Pokal – Endspiel 1980 im Londoner – Wembleystation.

Leider kam dann 1984 der Rückfall. Weil ich vorher schon einige Trockenphasen hatte, dachte ich, ich könnte jederzeit wieder aufhören. Doch leider war das ein Irrtum. Für mich, das weiß ich heute, gibt es nur eins trocken oder besoffen.

Meine Leber war auch mittlerweile am Ende, so dass ich in letzter Minute ins Krankenhaus Lindenberg eingeliefert wurde. Die Ärzte dort, allen voran Dr. Färber hatten wenigstens Ahnung mit der Droge Alkohol, und so begann, wie am Anfang erwähnt, am 20.11.1989 mein zweites Leben – Zufrieden und Trocken.

Werner, ein Gruppenmitglied
im Juli 2003

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als pdf-Datei zum downloaden bereit.

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