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Trockene Finanzen

Moderne Finanzmaschine

Früher war ich immer flüssig. Äußerlich wie innerlich. Der Job hat viel hergegeben. Durch meine vielen Überstunden, die damals noch ausbezahlt wurden, war ich finanziell flüssiger als heute. Im Laufe der Zeit hat sich aber vieles verändert. Überstunden, die nicht mehr entlohnt, sondern durch Freizeit abgetragen werden, führten zwar zu mehr Freizeit aber weniger Geld dafür. Da ich aber noch einen kleinen Nebenjob an der Tankstelle hatte, - Getränke waren dabei frei - konnte ich diese Differenz noch gut verkraften. Dort tankte ich natürlich nicht nur bleifrei, sondern achtete auch auf genügend Flüssigkeitszufuhr in Form vom alkoholhaltigen Lebensmittel namens „Weizen“. „Hopfen und Malz, Gott erhalt´s!“ Kaputte Partnerschaft, der Führerschein weg, Gerichtsverhandlung, Geldstrafen wegen Fahren unter Alkoholeinfluss, U.s .w. alles hat seinen Preis. Dass aber bei mir, im Bezug auf meinen Umgang mit Alkohol, schon langsam der Spruch: „Bei Dir ist auch Hopfen und Malz schon verloren.“ zutraf, wollte ich noch lange nicht wahr haben.

Jahre später, durch einen harten Tritt der mich zu einer Entscheidung zwang, begann ich die Therapie. Für diese musste ich nochmals tief in die Tasche greifen. Durch Lohneinbußen kratzte ich nun mein restlich Erspartes zusammen. Die Therapie erfolgreich abgeschlossen reizte auch der Nebenjob an der Tankstelle nicht mehr, denn ich hatte es nicht mehr nötig, meinen Kalorienbedarf dort flüssig zu decken. So sprudelten die Finanzquellen immer dürftiger .. Mein Neuanfang ohne den alten Freund Alkohol, also trocken zu leben, legte zunächst auch meine Finanzen trocken. Nüchtern war ich jetzt auch pfiffiger geworden. Mit einem klaren Kopf glaubte ich mich an etwas heranwagen zu können, was ich vorher wohl nicht getan hätte. Auf eine Empfehlung hin ging ich das Wagnis ein, mein in einer Lebensversicherung angespartes Geld, das dort ja nur nutzlos herumlag, wie man mir sagte, in Fonds anzulegen. Der Fachberater versprach mir, er würde mir dann eine Risikolebensversicherung vermitteln, damit - für den Fall der Fälle - die noch nicht abgezahlte Wohnung abgesichert sei. Doch Pustekuchen. Keine Risikoversicherung nahm mich mehr. Grund! Die Krankheit Alkoholismus. Ein zu hohes Risiko für die Versicherung. Ironie des Schicksals.

So sitze ich nun oft vor dem Bildschirm und beobachte , wie meine Fonds im Wert fallen und wieder steigen, fallen und wieder steigen.

Ich musste viel Geld bezahlen um meine Führerscheine wieder neu zu machen, und um mir, mit 50 Jahren - endlich trocken! - meinen Traum vom Omnibusfahren zu erfüllen. Meine geliebte GoldWing musste wieder auf Fordermann gebracht werden, denn nun durfte auch sie mit mir wieder auf die Strasse. Ein anderes Auto musste her, da der alte Bus durch 5 Jahre Stehen auch nicht gerade besser geworden ist. Dennoch, selbst die knapper gewordenen Finanzen, die Unsicherheit der Fondsentwicklung und der Rest der trockenen Zahlen sind für mich letztendlich kein Grund mehr, das trockene Leben gegen meine nasse Zeit - in welcher ich noch flüssiger war als heute - eintauschen zu wollen.

Es wird ohne Alkohol nicht alles einfacher. Aber man kann es lernen, anders mit Problemen umzugehen. Und wenn man Freunde hat, die ebenfalls einen klaren Kopf behalten, ist dies ein weiteres Plus. Denn nur mit diesem kann man sich gegenseitig wirklich unterstützen.

Um es mit einem kulinarischen Begriff auszudrücken: Solche Freunde zu haben ist die Crem´de la crem´. Denn echte Freunde sind doch weit mehr wert als flüssig zu sein, mit falschen Freunden!

Was meint ihr dazu?

Heinz
Mitglied im Freundeskreis Westallgäu
im März 2007


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Aktualisiert am 13.03.2009 / © 2003-2009 Freundeskreis Westallgäu
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