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Weil das alle so machen
Diese und ähnliche Redewendungen beschäftigen mich die letzte Zeit häufiger. Wir finden sie in allen möglichen
Bereichen. Ob in der Familie, der Freizeit, oder im Beruf. Schon von klein auf, begleiten sie uns durchs ganze Leben.
Ich machte was alle machten, weil ich Angst hatte, sonst nicht zu den anderen zu passen. Da vieles leichter ging,
hab ich Alkohol getrunken, war ja nicht schlimm, ich tat doch nur was alle machten. So mancher hat’s wohl so gemacht. Der eine um Schweigen zu können, ein anderer zum Reden, der nächste um sich zu wehren.
Später: Ich war Mitläufer, machte was machbar war, aus Angst aufzufallen und die Flasche beiseite stellen zu
müssen. Nach meiner Therapie, Trocken, wollte ich aus diesem Schema aussteigen, um mit meinem neu gewonnenen Selbstbewusstsein, nicht länger schweigend alles mitzumachen, was mir doch innerlich widerstrebt.
Heute nicht mehr zu trinken, unterscheidet mich schon einmal von der Masse derer, die es noch immer tun, weil Alkohol zu trinken doch für alle üblich ist.
Und doch ertappe ich mich immer wieder dabei, freiwillig oder gezwungen, in dieses alte Muster zurückzufallen.
Weil es alle machen, schweige ich zu Dingen, gegen die man was unternehmen müsste.
Ich scheue die Folgen, die auf mich zukommen könnten, wenn ich nicht mitmache, bei dem was alle machen.
Wer wagt es denn noch seine eigene Meinung gegen die Masse zu vertreten?
Haben wir nicht die Verantwortung, das, was wir als richtig erkennen auch offen zu vertreten, selbst wenn es für
uns Konsequenzen hätte?
Hat nicht das Schweigen zu Dingen die alle machen, obwohl es nicht richtig ist, auch Konsequenzen? Solche, die
vielleicht noch schlimmere Folgen haben?
Immer wieder bekomme ich zu hören: Das gehört sich so! Das macht man so! Das macht doch jeder!
Das müssen alle so machen! Und weil das alle so machen mache ich auch mit. Ich werde wohl müssen, denn: Ich will doch kein Außenseiter sein.
Wie geht es euch damit?
Von Heinz Mitglied im Freundeskreis Westallgäu Im Dezember 2004
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